
„Stille Post“
Ein Kunstprojekt mit alten Postkarten
Worum geht es?
„Stille Post“ ist ein Kunstprojekt, bei dem alte Postkarten von Hand zu Hand wandern und dabei immer wieder neugestaltet werden. Entwickelt haben es die vier Künstlerinnen Angelika Windegger, Alina Sauter, Donna Price und Juliane Leitner in den Jahren 2014 und 2015.
Wie das Projekt entstanden ist
Jede Künstlerin bekam rund 30 alte Postkarten, die ausgemustert worden waren und nicht mehr gebraucht wurden. Bevor die Arbeit begann, wurde jede Karte eingescannt. So blieb das Original in digitaler Form erhalten, und man kann später genau nachvollziehen, wie die Karte vor der künstlerischen Bearbeitung ausgesehen hat.
Danach hatte jede Künstlerin ungefähr einen Monat Zeit, ihren Stapel zu gestalten. Anschließend tauschten die Künstlerinnen die Stapel untereinander, und die nächste arbeitete auf den bereits veränderten Karten weiter. Gleichzeitig lief eine digitale Version mit: Die eingescannten Karten wurden mit verschiedenen Bildbearbeitungsprogrammen und Apps verändert und ebenfalls jeden Monat weitergegeben.
Keine der Künstlerinnen wusste vorher, was die anderen mit den Karten machen würden. Wie beim bekannten Kinderspiel veränderte sich jede Karte von Station zu Station, ohne dass jemand das Endergebnis planen konnte. Nach etwa vier bis fünf Monaten hatten alle Künstlerinnen an allen Karten gearbeitet.
Ausstellung und Wiederholung
Die fertigen Postkarten wurden 2015 unter dem Titel „Stille Post“ in der Ausstellung „Lift off“ im Kammerhofmuseum Gmunden öffentlich gezeigt.
Im selben Jahr wurde das Projekt noch einmal durchgeführt, diesmal gemeinsam mit SOS Menschenrechte Österreich in Linz und der Künstlerin Josseline Engeler, MA. Mitgemacht haben Familien und Jugendliche, die bei SOS Menschenrechte untergebracht waren. Die Kunstwerke, die dabei entstanden sind, wurden am Weihnachtsstand von SOS Menschenrechte in Linz verkauft. Der Reinerlös ging an SOS Menschenrechte Österreich.
Neuauflage: Postkartenaustausch zwischen Linz und Turis
Im Rahmen unseres Erasmus Austauschs mit Turis soll das Projekt „Stille Post“ jetzt wieder aufleben, diesmal mit Schülerinnen und Schülern.
Jede Schülerin und jeder Schüler der Mittelschule 15 in Linz bekommt eine alte Ansichtskarte von Linz. Diese Karten hat uns das Archiv der Stadt Linz zur Verfügung gestellt. Sie stammen aus einem Projekt, das im Jahr 2011 gemeinsam mit der Ars Electronica GmbH entstanden ist.
Ablauf:
1. Die Karten werden zuerst abfotografiert und digital gespeichert, damit das Original erhalten bleibt.
2. Dann gestaltet jede Schülerin und jeder Schüler die Karte im eigenen Stil. Wichtig ist dabei, dass einige Teile der Originalkarte sichtbar bleiben. Gestaltet werden kann mit unterschiedlichen Techniken, zum Beispiel durch Nähen, als Collage aus Papierausschnitten oder durch das Stanzen von Löchern. Jede Schülerin und jeder Schüler sucht sich eine Lieblingstechnik aus, übt zuerst auf Zeitschriftausschnitten oder anderen Postkarten, spezialisiert sich darauf und setzt sie auf der eigenen Linz-Postkarte so gut wie möglich um.
3. Die fertige Karte kommt in ein Kuvert und wird nach Turis geschickt. Dort gestaltet eine Schülerin oder ein Schüler sie weiter.
In die andere Richtung funktioniert es genauso: Die Schülerinnen und Schüler in Turis haben eigene Ansichtskarten von Turis und Umgebung. Auch sie scannen ihre Karten zuerst ein, gestalten sie dann mit ihren eigenen Techniken und schicken sie im Kuvert nach Linz, wo sie von unseren Schülerinnen und Schülern weitergestaltet werden.
Das Ziel
Am Ende werden die gestalteten Karten aus Linz und aus Turis gemeinsam ausgestellt, und zwar sowohl in der Mittelschule in Linz als auch in der Schule in Turis.
So wird zweierlei sichtbar: die persönliche künstlerische Handschrift jeder einzelnen Schülerin und jedes einzelnen Schülers und die Verbindung, die über die Karten zwischen den Jugendlichen in Linz und in Turis entsteht.
